Corona-Hotspot Fleischindustrie – Wie schaffen wir endlich den Systemwechsel? | Presseclub

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Corona bringt mit einem Schlag ein Problem ans Tageslicht, das lange bekannt ist, an dem bisher aber keiner etwas verändert hat: Dazu gehören die prekären Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen genauso wie die unwürdige Massentierhaltung.

Westfleisch, Wiesenhof, Tönnies: Die Corona-Krise kehrt zurück, ausgerechnet in der Fleischindustrie. Am schlimmsten betroffen ist der Tönnies-Standort in Rheda-Wiedenbrück: Mehr als 1500 Beschäftigte sind infiziert, 7000 Mitarbeiter in Quarantäne. Nach anfänglichem Zögern hat die NRW-Landesregierung die Reißleine gezogen: Bis Ende des Monats gelten in den Kreisen Gütersloh und Warendorf strenge Auflagen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. 640.000 Menschen sind davon betroffen. Das wiegt umso schwerer, weil im bevölkerungsreichsten Bundesland die Sommerferien beginnen und ganz Deutschland Angst davor hat, dass durch den Reiseverkehr das Virus in ihre Region geschleppt wird.

Corona bringt mit einem Schlag wieder ein Problem ans Tageslicht, was seit Jahren bekannt ist, an dem bisher aber keiner etwas verändert hat: Dazu gehören die prekären Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen genauso wie die Massentierhaltung. Landwirtschaftsministerin Klöckner will jetzt gegen die Dumpingpreise bei Fleisch und Wurst vorgehen: Eine Tierwohlabgabe soll kommen. Das Instrument der Werksverträge, das den großen Fleischkonzernen erlaubt, Arbeiter aus Osteuropa zu Dumpinglöhnen zu beschäftigen, soll ab 2021 verboten werden. Ist das Problem damit gelöst?

Selbst der Großunternehmer Tönnies verspricht das. Kann man darauf vertrauen? Die Selbstverpflichtungen der Fleischindustrie standen bisher nur auf dem Papier. Deutschland ist in den letzten 15 Jahren zum zweitgrößten Schweinefleischexporteur der Welt aufgestiegen. Die großen Fleischkonzerne verdienen kräftig daran, während Landwirte um ihre Auskommen fürchten; ihre Tiere sind kaum noch etwas wert. Masse statt Klasse heißt das Prinzip mit fatalen Auswirkungen für Mensch, Umwelt und Tier. Können wir auf Dauer an der globalisierten Landwirtschaft festhalten oder müssen wir zurück zur regionalen Versorgung? Wie bleibt Fleisch erschwinglich ohne dass das Tierwohl auf der Strecke bleibt?
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